Alle Vor- und Nachteile von individueller Softwareentwicklung

Power Platform
Jürgen Sadleder, MA

Glaubt man den großen Herstellern, so ist es mittlerweile einfacher, eine Standardsoftware für ein bestimmtes Problem zu finden als ein Problem, für das noch keine standardisierte Lösung existiert. Aber Standardsoftware eignet sich vor allem für Standardprobleme und das ist im Unternehmensalltag oft zu wenig. Was leider immer wieder folgt, sind zusätzlich programmierte Funktionen die „hineingepresst“ werden und einen ungeahnten und kostspieligen Rattenschwanz nach sich ziehen.

Die Alternative sind INDIVs, also maßgeschneiderte individuelle Softwarelösungen, die für sich alleine stehen oder als Erweiterung für Standardlösungen dienen können. Sinnvoll eingesetzt und professionell entwickelt sind sie bis heute eine sehr gute und immer wieder kostengünstigere Alternative mit vielen Potenzialen, wie etwa Ergebnisse von Statista zeigen: der weltweite Software-Markt wächst weiter ungebremst. Doch während sich der Trend im Standardsoftware-Segment verlangsamt, steigt die Nachfrage nach individualisierten Speziallösungen rasant an.

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Was genau sind individuelle Softwarelösungen?

Individuelle Softwareentwicklungen sind maßgeschneiderte Lösungen, die passgenau auf die Bedürfnisse der Anwender bzw. des Unternehmens zugeschnitten sind. Individuallösungen (auch INDIVs oder INDEVs abgekürzt) lösen konkrete Problemstellungen und beziehen die individuellen Bedürfnisse des Kunden optimal ein. Sie werden entweder als Erweiterung zu einer Standardlösung oder als ganz autonome Softwarelösung entwickelt.

Damit stellen individuelle Softwarelösungen eine enorme Konkurrenz für Standardlösungen etablierter Drittanbieter dar, denn die Stärke von INDIVs liegt darin, unternehmensspezifische Pain Points punktgenau anzusprechen. Einmal erstellte Individuallösungen lassen sich beliebig erweitern, verbessern und transformieren. Modulare Entwicklung wird möglich, weil dieselbe Entwicklungsumgebung für unterschiedlichste Zwecke zur Verfügung steht. Besonders in der Cloud sind individuellen Softwareentwicklungen kaum mehr Grenzen gesetzt.

Vorteile von Individualsoftware

Zugegeben: Der Best-of-Suite-Ansatz mit einer vorgefertigten Standardlösung klingt verlockend. Ein bunter Strauß an Softwareprodukten, die auf ein und derselben Architektur aufbauen und intelligent miteinander vernetzt sind, zentrale Datenhaltung und komfortable Service-Angebote, die standardmäßig dabei sind oder nach Bedarf dazu gebucht werden können. So zumindest die Theorie.

Denn in der Praxis stößt dieser Ansatz unweigerlich auch an Grenzen, die genau dort liegen, wo Individualität beginnt. Die Anforderungen im modernen Büroalltag unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen – und nicht für jedes Problem gibt es die passende Software von der Stange, dafür aber maßgeschneiderte Individuallösungen.

Expertentipp:

Um Kostenfallen zu vermeiden, sollte die geplante Individuallösung gut geplant und strategisch umgesetzt werden. Ein erfahrener Partner wird sie auf diesem Weg transparent und strukturiert begleiten.

Vorteile von individuellen Softwarelösungen

  • INDIVs werden für spezifische Bedürfnisse maßgeschneidert, was gegebenenfalls auch Anpassungen an spezielle Hardware ermöglicht.
  • Flexible Schnittstellen erlauben Verknüpfungen mit den Daten aus Software-Produkten anderer Anbieter.
  • Schlanke, anwenderfreundliche Lösungen entlasten die Mitarbeiter.
  • Redundante, fehleranfällige und zeitraubende Tätigkeiten werden durch Automatisierung eliminiert.
  • Auch „kleine“ Probleme lassen sich dank individueller Optimierung kostengünstig aus der Welt schaffen.
  • Statt veraltete Lösungen mitzuschleppen, profitieren alle Beteiligten von agilen, passgenauen Entwicklungen.
  • INDIVs schaffen Unabhängigkeit, während man mit Standardsoftware häufig der Update-, Upgrade- und Preispolitik des Erzeugers ausgeliefert ist.
  • Investitionssicherheit ist gegeben, da der Quellcode in der Regel dem Auftraggeber gehört und die Investition steuerlich nutzbar gemacht werden kann.

Power Plattform: Individuelle Softwareentwicklung im Baukasten

Genau in diesem Segment hat Microsoft die Nase vorne: Auch die Power Platform bietet keine pfannenfertigen Lösungen, sondern den Baukasten, mit dem sich flexible INDIVs für alle möglichen kleineren Probleme im Unternehmen verwirklichen lassen. Die Entwicklungsumgebung setzt auf der Microsoft-Infrastruktur (SharePoint, AD …) auf, die im Unternehmen zumeist ohnehin bereits vorhanden ist. Das ermöglicht den Zugriff auf die Daten im Unternehmen und damit den Einsatz von INDIVs für genau definierte Einsatzbereiche.

 

Nachteile von Individualsoftware

Auf der Gegenseite gibt es aber auch einige Aspekte zu bedenken, die bei individueller Softwareentwicklung deutlich mehr ins Gewicht fallen als bei Standardsoftware:

  • Kosten: Entwicklungsarbeit gibt es auch bei INDIVs nicht gratis. Eine qualifizierte Kosten-Nutzen-Rechnung sollte auf jeden Fall angestellt werden.
  • Zeit: Software-Entwicklung ist oft ein langwieriger Prozess. Andererseits braucht auch Rollout und Implementierung neuer Software seine Zeit.
  • Bindung interner Mitarbeiter: Wird das eigene Personal in die Entwicklung miteinbezogen, ist auch deren Aufwand für Sprint-Meetings, Input und Testläufe zu berücksichtigen. Der Benefit: ein Ergebnis, das von den Betroffenen mitgestaltet wurde und damit höhere Akzeptanz.
  • Interne Patches und Updates: Die Implementierung von INDIVs holt oft die Leichen aus dem IT-Keller ans Licht. Oder positiv formuliert: Endlich ein Anlass, um auszumisten und Schwachstellen zu eliminieren.
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Effizienzsteigerung und Entlastung der Mitarbeiter: Best Practices anhand von zwei Fallstudien

USE CASE #1: Portal für Lieferanten und Montagetechniker bei BGO-Montage und Logistik-GmbH

Bei BGO Montage- und Logistik GmbH, der Eigenmontagefirma der vier BGO-Marken bene, hali, neudoerfler und planmöbel stellte sich die Frage Standardsoftware oder Neuentwicklung: Gefragt war der Ersatz eines Tools zur Zeiterfassung und Leistungsabrechnung für die Montage über mobile Endgeräte.

Gemeinsam mit den corner4 Experten wurde eine Lösung entwickelt, die auf großes Gehör stieß. Mittlerweile erfassen sogar externe Montagepartner ihre Leistungen über dieses System, da Kontrolle und Abrechnung wesentlich beschleunigt und vereinfacht werden.

„Der Charme der Eigenentwicklung lag darin, dass man für mögliche Erweiterungen offen bleibt – ein Luxus, den man bei Standardsoftware meist nicht hat.“

DI Peter Morawetz, Geschäftsführer BGO Montage und Logistik GmbH

Es waren vor allem Flexibilität und Erweiterbarkeit, die ausschlaggebend für die Entscheidung zur Entwicklung einer individuellen Lösung waren. Denn zusätzliche Features, wie Reisekostenabrechnung und exakte Tätigkeitszuordnung für die Leistungsverrechnung, konnten Standardsoftware-Produkte so passgenau einfach nicht leisten. Je komplexer die Tätigkeiten oder Prozesse, desto schwieriger ist es, sie in einer Standard-Software abzubilden.

USE CASE #2: Mit individueller Business Software zum Marktführer bei PBS

Der Papier- und Büroartikel-Spezialist PBS Austria wickelte seine Bestell- und Auftragsverwaltung viele Jahre lang über das System „CIPS“ ab. Allerdings war es ein rund 20 Jahre altes System und modernen Anforderungen wie E-Commerce irgendwann nicht mehr gewachsen.

Nach einer Marktanalyse entschied man sich Anfang der 2000er Jahre zuerst für eine modifizierte Drittanbieter-Lösung. Aber die Umstellung lief nicht reibungslos, sodass schließlich unsere Fachspezialisten für individuelle Softwareentwicklung beauftragt wurden.

Das Ergebnis : CIPS3 , eine komplette IT-Lösung für Bestellung, Kassa und Auftragswesen, mit der die Schwächen des alten Systems behoben wurden.

Die Individualsoftware CIPS3 …

  • automatisiert zahlreiche Prozesse in der Bestell- und Auftragsverwaltung.
  • leitet eingehende Bestellungen automatisch an den Großhändler weiter.
  • reduziert die Einarbeitungszeit durch Benutzerfreundlichkeit.
  • verfügt über Zusatz-Module für Bestellungen, Aufträge, Faktura und Auswertungen.
  • ist eine umfassende Lösung für die digitale Verwaltung.
  • integriert externe Kassensysteme mittels vorgefertigter Schnittstellen.
  • ermöglicht den Import verschiedenster Datentypen und die Verarbeitung von Bestellungen externer Plattformen.

Mittlerweile wird das maßgeschneiderte Warenwirtschaftssystem an rund 1.000 Kunden ausgerollt und mit Erfolg als digitale Schnittstelle zum Lager des Großhändlers genutzt. Durch die individuelle Softwareentwicklung werden die Händler auch in einem veränderten Marktumfeld durch effiziente Prozesse langfristig konkurrenzfähig bleiben.

 

Fazit: INDIVs – individuelle Prozessoptimierung mit überschaubarem Aufwand

Standardsoftware ermöglicht vorgefertigte Lösungen für standardisierte Problemstellungen. Benötigt man jedoch flexible Lösungen für spezielle Probleme, führt kein Weg an individuell erstellten Programmen vorbei. Individuelle Softwarelösungen sind Standardsoftware in vielen Belangen überlegen, weil Sie maßgeschneidert für konkrete Pain Points erstellt werden. Aber man muss das Rad nicht jedes Mal neu erfinden: Gibt es bereits eine geeignete Standard-Software, kann diese als Basis herangezogen werden. Schnittstellen ermöglichen dann hybride Modelle, also Standard-Software, die um individuell erstellte Komponenten erweitert wird.

Die Experten von corner4 stehen jederzeit auch für komplexe Anforderungen zur Verfügung.

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Jürgen Sadleder, MA
Jürgen Sadleder, MA

Jürgen Sadleder ist seit März 2016 Geschäftsführer bei corner4. Mit jahrelanger Erfahrung als Projektmanager und breit gefächertem Prozesswissen unterstützt Jürgen Kunden in den Bereichen Softwareentwicklung, Business Intelligence und Microsoft 365.

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