AS400 – wie die 80er modernisiert werden

Digitale Infrastuktur | INDIV | Management
Jürgen Sadleder, MA

Stellen Sie sich vor, Sie sind der Kapitän eines stolzen, aber alternden Schiffes, das seit den 1980er-Jahren die Weltmeere durchkreuzt. In seinen besten Tagen war es ein wahres Meisterwerk der Technologie, aber mit jedem Jahrzehnt wird es schwieriger, mit modernen Schiffen Schritt zu halten. Die Kontrollen sind veraltet, die Navigation ist mühsam, und das Risiko von Ausfällen ist ständig präsent.

Dieses Szenario klingt zwar nach Seemannsgarn, aber ist auch eine anschauliche Metapher für Unternehmen, die immer noch auf AS400-Systeme setzen. Eingeführt in den 1980er-Jahren, waren sie einst die Stützpfeiler der Unternehmensinformatik, zeigen angesichts des rasanten technischen Fortschritts heute aber immer deutlicher ihre Limitierungen in Bezug auf Anwenderfreundlichkeit und Flexibilität. Trotzdem ist AS400 bis heute bei vielen Mittelständlern und sogar bei großen Unternehmen wie Fujitsu oder The North Face im Einsatz.

Unsere Geschichte beginnt jedoch nicht mit einem Untergangsszenario, sondern mit der Möglichkeit der Modernisierung. Als Experte mit mehreren Jahrzehnten Erfahrung mit der Modernisierung von AS400-Systemen möchte ich Ihnen in diesem Artikel zeigen, welchen Herausforderungen Sie gegenüberstehen, was es bei der Umsetzung zu beachten gilt und welche Tipps Ihr Modernisierungsprojekt zum Erfolg machen.
 

 

Die Bedeutung der Datenbankerhaltung

Im Hinblick auf die Modernisierung eines AS400-Systems setzt man oft auf einen bewährten Ansatz: Die Oberfläche wird zuerst auf den neuesten Stand gebracht. Das hat einen klaren Vorteil – Benutzer erhalten sofort eine zeitgemäße Benutzeroberfläche, während die Datenbank, in unserem Fall IBM DB2, erhalten bleibt. Wir müssen also nicht alles über Bord werfen. Stattdessen erfolgt die Modernisierung schrittweise, und Teile des Systems werden allmählich online gestellt, sodass etwa der Kundenstamm über die neue Oberfläche verwaltet werden kann, während Produkte weiterhin über die alte Benutzeroberfläche erreichbar sind. Durch den Parallelbetrieb wird ein durchgängig funktionierendes System gewährleistet, während ein fließender Wechsel zwischen alter und neuer Oberfläche wertvolle Zeit spart.

 

Herausforderung 1: Datenmigration und -kompatibilität

Die Datenmigration in Form der konsistenten Übertragung von Daten, der Datenstruktur und den Dateiformaten.  Mit einer umfassenden Datenanalyse sollten die konkreten Anforderungen daher genau ermittelt werden, während spezialisierte Tools für die Datenmigration einen reibungslosen Übergang gewährleisten.

 

Herausforderung 2: Datenintegrität und Sicherheit

Die Daten aus dem AS400-System müssen zu jedem Zeitpunkt vertraulich bleiben und vor unbefugten Zugriffen geschützt werden. Um die Datenintegrität und Sicherheit zu gewährleisten, müssen deshalb wirksame Zugriffsbeschränkungen und effektive Verschlüsselungstechnologien implementiert werden.

 

Herausforderung 3: Datenvolumen und Leistung

Das Datenvolumen wirkt sich stark auf die Leistung des Systems aus und wird bei mangelhafter Optimierung leicht zu einem Flaschenhals für die Effizienz. Durch die Optimierung der Datenbankstruktur und den Einsatz moderner Datenbanktechnologien werden große Datenvolumen effektiv gespeichert und die Gesamtleistung des Systems steigt.

 

Die Modernisierung eines AS400-Systems birgt zahlreiche Vorteile, insbesondere dank des schrittweisen Ansatzes und der möglichen Beibehaltung der Datenbank. Die Herausforderungen, die sich dabei stellen, können mit einer gründlichen Datenanalyse, spezialisierter Migrationstools, Sicherheitsmaßnahmen, Verschlüsselungstechnologien, Datenbankoptimierung und modernen Datenbanktechnologien bewältigt werden. Eine sorgfältige Planung und Umsetzung dieser Maßnahmen sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen AS400-Modernisierung.

 

Vorteile der schrittweisen Modernisierung der Oberfläche und Teil-Logik

Angesichts der beschriebenen Herausforderungen eines Wechsels vom AS400-System bietet eine schrittweise Umstellung auf eine moderne Technologie folgende Vorteile:

  • Risikominimierung: Durch eine schrittweise Einführung lassen sich mögliche Probleme frühzeitig erkennen und beheben, um so einen reibungslosen Übergang zur neuen Lösung zu gewährleisten.
  • Akzeptanzsteigerung: Mit der schrittweisen Einführung haben Mitarbeiter die Gelegenheit, sich an die neue Benutzeroberfläche zu gewöhnen und Teilbereiche nacheinander zu erkunden. Unternehmen können mit Schulungen gezielt Einwände oder Probleme adressieren und so die Akzeptanz für das neue System
  • Flexibilität und Anpassungsfähigkeit: Wenn während der Umsetzung neue Anforderungen auftreten, können diese mit einer schrittweisen Implementierung einfacher durch neue Funktionen abgebildet werden.
  • Kosteneffizienz: Die schrittweise Modernisierung verteilt die Kosten über einen längeren Zeitraum und ermöglicht so eine genaue Budgetplanung und einen gezielten Ressourceneinsatz.

Nutzung von mobilen Apps und modernen Browsern: Die schrittweise Modernisierung eröffnet die Tür zur Integration fortschrittlicher Technologien wie mobilen Apps und modernen Browser und steigert so die Nutzbarkeit und Erreichbarkeit des neuen Systems.

 

Herausforderungen bei der Modernisierung der Logik durch INDIV meistern

Bei der Modernisierung von AS400-Systemen stehen Unternehmen oft vor einem Problem: Standardprodukte decken die spezifischen Anforderungen nicht ab, sodass eine individuelle Softwareentwicklung unter anderem diese Vorteile bietet:

  • Anpassung an spezifische Bedürfnisse:
    Durch die individuelle Entwicklung lässt sich der AS400-Nachfolger exakt an die Anforderungen des Unternehmens anpassen.
  • Längere Lebensdauer:
    Maßgeschneiderte Software
    kann über einen längeren Zeitraum genutzt werden, da sie nicht von den Aktualisierungen oder Einstellungen von Standardprodukten abhängig ist.
  • Skalierbarkeit:
    Eine Individuallösung lässt sich dauerhaft erweitern und verbessern und sich so an wachsende Anforderungen des Unternehmens anpassen.
  • Kostenkontrolle:
    Während für Standardprodukte häufig monatliche oder jährliche Lizenzkosten anfallen, verfügen Unternehmen mit einer Individualentwicklung über volle Kontrolle der Entwicklung, Wartung, Lizenzkosten und den Quellcode der Software.
  • Integration:
    Maßgeschneiderte Lösungen lassen sich nahtlos in die bestehende Infrastruktur integrieren und erleichtern so einen reibungslosen Übergang.
  • Schrittweise Umsetzung:
    Eine inkrementelle Umsetzung über mehrere Monate oder sogar Jahre ermöglicht eine Parallelnutzung von altem AS400-System und der neuen Oberfläche. Dies reduziert auch den Schulungsaufwand, da Mitarbeiter, die mit dem alten System vertraut sind, sich nicht mehr zur Umstellung zwingen müssen, während diejenigen, die mit den neuen Technologien aufwachsen, bereits auf dem neuesten Stand sind.

 

 

Der erste Schritt: Oberfläche modernisieren

Die Oberfläche ist das, was die Benutzer zuerst sehen und berühren und daher ein sinnvoller Ausgangspunkt für die Modernisierung eines AS400-Systems:

  • Benutzerfreundlichkeit: Durch die Integration von Maussteuerung, modernen Farben, Webfähigkeit und die Implementierung von Funktionen wie Drag-and-drop wird die Benutzeroberfläche benutzerfreundlicher und intuitiver gestaltet.
  • Mobilfähigkeit: Eine mobile Lösung ermöglicht es den Benutzern, von überall aus auf die Anwendung zuzugreifen und Daten ortsunabhängig zu erfassen.
  • Nutzerzentriertes Design: Damit die neue Oberfläche effektiv genutzt werden kann, sollten Nutzer bereits in die Entwicklung einbezogen werden, um ihre Bedürfnisse bestmöglich abzubilden und Reibungspunkte zu minimieren.
  • Schrittweise Modernisierung: Mit einer schrittweisen Modernisierung können Unternehmen alte und neue Benutzeroberflächen für verschiedene Bereiche parallel laufen lassen, um das Risiko durch die Einführung neuer Technologien zu minimieren und einen erfolgreichen Abschluss der Modernisierung zu gewährleisten.

 

AS400: 5 Tipps für die Modernisierung

Damit Ihr AS400-Modernisierungsprojekt erfolgreich abgeschlossen werden kann, sollten Sie diese 5 erprobten Praxistipps berücksichtigen:

1. Umfassende Analyse durchführen:
Bevor Sie mit der Modernisierung beginnen, ist eine gründliche Analyse unerlässlich. Klären Sie, welche Funktionalitäten noch aktiv genutzt werden und identifizieren Sie, was möglicherweise nicht mehr benötigt wird. Dies ermöglicht eine effiziente Bereinigung.

2. Strukturierter Modernisierungsplan:
Erarbeiten Sie auf Basis der mit den betroffenen Fachabteilungen ermittelten Anforderungen einen Modernisierungsplan und priorisieren Sie so Lösungen für die dringendsten Herausforderungen.

3. Beachten von Abhängigkeiten:
Berücksichtigen Sie relevante Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Funktionen, um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen. So erfordert die Umstellung der Rechnungslegung möglicherweise die Erstellung bestimmter Benutzeroberflächen oder Eingabemasken.

 4. Priorisierung von Painpoints:
Die Reihenfolge bei den Umstellungen sollte sich an den im AS400-System identifizierten Probleme und ihrer Bedeutung ausrichten.

5. Risikomanagement:
Überwachen Sie in der Übergangsphase beide Systeme möglichst lückenlos, um mögliche Risiken zu identifizieren und früh einen Prozess zur kontinuierlichen Verbesserung des Systems anzustoßen.

 

Fazit: Die Zukunft der AS400-Modernisierung

Angesichts der steigenden Anforderungen der Digitalisierung und des globalen Wettbewerbs ist die Modernisierung von AS400-Systemen ein entscheidender Schritt, um langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Unternehmens zu sichern.

Möchten Sie mehr darüber erfahren, wie wir Ihnen bei der Modernisierung Ihrer AS400-Systeme behilflich sein können? Zögern Sie nicht, uns noch heute zu kontaktieren, um Ihre spezifischen Anforderungen zu besprechen. Gemeinsam entwickeln wir eine maßgeschneiderte Lösung, die Ihren individuellen Bedürfnissen gerecht wird.

Jürgen Sadleder, MA
Jürgen Sadleder, MA

Jürgen Sadleder ist seit März 2016 Geschäftsführer bei corner4. Mit jahrelanger Erfahrung als Projektmanager und breit gefächertem Prozesswissen unterstützt Jürgen Kunden in den Bereichen Softwareentwicklung, Business Intelligence und Microsoft 365.

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